4. Fontane-Preis für junge Schreibende 2019

Wettbewerb

ausgelobt von der Theodor-Fontane-Gesellschaft e.V., in Kooperation mit der Fontane-Festspiele gUG und unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg

 

3. Preis, Klasse 7 bis 9

 

Tjark Sebastian Pohl, 14 Jahre, Neuruppin

Karl-Friedrich-Schinkel-Gymnasium, Klasse 9

 

Anschnallen bitte!

Ich bin Tom, bin 8 Jahre alt und ich wohne in Brandenburg an der Havel. Heute ist es soweit, endlich startet unsere Reise an den Helenesee. Aber das ist nicht so ein normaler See, dort gibt es auch einen Strand und mehr. Also heute ist der große Tag. Meine Mutter, mein Vater, mein großer Bruder und ich fahren in den Urlaub. Ich freue mich schon seit zwei Monaten auf diese Reise. Ganz im Gegenteil zu meinem Bruder, der ist, seitdem er es weiß, davon genervt. Mama packt die Koffer, Papa stellt das Navigationsgerät ein und mein Bruder liegt gelangweilt auf seinem Bett und hört Musik. Wie immer…! Aber vielleicht ist das normal mit 16. Ich stehe jetzt auf, packe meinen Rucksack und ziehe mich an. Also, was brauche ich? Auf jeden Fall muss mein Lieblingskuscheltier Jerry mit. Den habe ich schon seit meiner Geburt. Als Nächstes nehme ich meinen Musik-Player. Außerdem brauche ich dringend mein Lieblingsbuch, sonst weiß ich ja gar nicht, was ich die ganze Zeit am Strand machen soll. Oh, das Wichtigste hätte ich ja beinahe vergessen: Meinen supertollen Fotoapparat, den ich zu meinem letzten Geburtstag bekommen habe. Mit dem habe ich schon mindestens eine Million Bilder gemacht. Okay, vielleicht nicht ganz so viele, aber auf jeden Fall schon sehr viele. Auf unserer Reise werde ich auch so viel wie möglich fotografieren, damit ich meinem besten Freund Leon alles erzählen und zeigen kann. Am liebsten würde ich ihn mitnehmen, aber das geht leider nicht. Ich gehe noch einmal auf die Toilette, denn wenn ich aufgeregt bin, muss ich andauernd auf Toilette und ich bin sehr aufgeregt. Das ist meine erste richtige Reise. Die Autofahrt dauert ungefähr zwei Stunden, hat Papa gesagt. Wir bleiben zehn Tage dort, weil meine Eltern jetzt so lange Urlaub haben. Mein Bruder und ich haben Ferien, sechs Wochen. Mein Bruder würde sich ja lieber mit seinen Freunden treffen, zuhause bleiben und an seiner Playstation spielen, aber damit haben Mama und Papa ein Problem, deswegen muss er mit. Papa ruft durch das ganze Haus: „In einer halben Stunde ist Abfahrt.”

Ich gehe gespannt die Treppe hinunter und warte, dass es endlich losgeht. Alle sind total in Hektik, ich bin der Einzige, der ganz ruhig auf seinem Koffer sitzt und wartet. Jacke an, Rucksack auf dem Rücken und der Koffer unter mir. Also von mir aus kann es losgehen. Dann ist es soweit, Papa kommt in den Flur und ruft erneut: „Es geht los.”

Die ganze Familie sitzt im Auto und Papa ruft: „Anschnallen bitte!” Papa fährt und Mama ist Beifahrerin. Mein Bruder und ich sitzen hinten. Wir sind noch gar nicht richtig losgefahren, da macht Papa schon das Radio an, wie immer „Power Radio”. Der Moderator heißt glaube ich Uli, den mag Papa total. Bei dem Sender kann man sich seine eigene Musik wünschen, aber Papa schreibt nur selten einen Musikwunsch. Mein Bruder sagt immer, der Sender spiele nur Lieder aus den 1980er Jahren. Papa hört nur die ersten beiden Töne und weiß sofort wie das Lied beginnt. Ich finde das immer sehr lustig. 20 Minuten sind es bis zur Autobahn. Als wir dann gerade auf der Autobahn sind, fällt mir auf, dass ich in der Aufregung ganz vergessen habe, meine Straßenschuhe anzuziehen. Wenn ich das Papa jetzt sage, dreht er glaube ich durch. Ich beschließe es ihm trotzdem zu sagen und überraschenderweise bleibt er ganz ruhig. Ich mache mir schon Hoffnung, ob ich im Urlaub vielleicht neue Schuhe bekomme. In der Werbung habe ich die „Leuchte-schuhe” gesehen, die leuchten wenn man läuft. Eigentlich wollte ich sie mir zum Geburtstag wünschen, aber das ist erst in vier Monaten. Naja, wenigstens habe ich meine Badelatschen dabei.

Die Fahrt vergeht wie im Flug und wir sind schon fast da. Noch 15 Kilometer Autobahn und dann ist es nur noch ein kleines Stück. Ich schaue etwas aus dem Fenster und träume schon von dem Hotel und dem Strand, also eigentlich von dem ganzen Urlaub. Die letzten Kilometer sind nur noch Stop-and-Go, dachte ich, bis wir uns nach zehn Minuten plötzlich gar nicht mehr bewegen. Wir stehen jetzt endgültig im Stau, was man auch an der Laune meiner Eltern und meines Bruders erkennt. Nach gefühlten fünf Stunden sind wir endlich da. Alle sind erleichtert.

Nun haben wir das Auto geparkt, jeder hat seinen Koffer geschnappt und wir sind eingecheckt. Ich nehme sofort den Schlüssel und suche unser Zimmer, bis mir auffällt, dass dieses Hotel riesig ist. Ich gehe doch lieber zurück zur Rezeption und suche die anderen. Zusammen finden wir unser Zimmer schnell. Ich mache die Tür auf und erstarre. Das ist ja noch viel cooler, als ich gedacht habe. Ich renne hinein und springe auf das gigantische, superbequeme Bett. Zusammen gehen wir als erstes das Gebiet erkunden, wobei wir feststellen, dass wir hier für immer bleiben wollen, ich zumindest. Jetzt sind wir alle so kaputt, dass jeder in sein Bett geht und schläft.