4. Fontane-Preis für junge Schreibende 2019

Wettbewerb

ausgelobt von der Theodor-Fontane-Gesellschaft e.V., in Kooperation mit der Fontane-Festspiele gUG und unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg

 

3. Preis, Klasse 3 bis 6

 

Jeremia Fedier, Schweiz, Oberarth

Primarschule, 5. Klasse

 

Regina Montium und die Sonne

Meine Füße liefen im Takt. Der Schein der Stirnlampe huschte flüchtig über Zweige, die am Boden lagen und über andere kleine Details. Schatten schlichen zwischen den Bäumen herum. Waren das ganz normale Tiere, Elfen oder Kobolde? Zwar waren Elfen und Kobolde Fabelwesen, doch was ich danach sah, war so magisch, dass einem die verrücktesten Fantasiefiguren plötzlich real vorkamen. Am Himmel flogen Sternschnuppen und andere Schatten kreisten über uns. Meine Augen wanderten immer wieder zum Mond hinauf.

Hier oben, auf diesem Koloss namens Regina Montium, wo kaum das Licht der Städte hinkam, sah man Sterne noch in voller Pracht. Giganten, die so weit weg waren, dass man sie als Zwerge sah. War das unfair? So große Dinge, die man auf den ersten Blick nur klitzeklein sah, war das nicht ungerecht? Weshalb sollte es das sein. Diese Sterne konnten stolz sein. Sie waren so hell, so schön, so groß, dass man sie über eine Distanz, die sie wie Zwerge wirken ließ, immer noch sehen konnte. Das Knirschen des Kieses unter dem guten Schuhwerk, das an meine Füße geschnürt war, die Sterne, der Mond, die Nacht, die Berge, der Nachthimmel: Alles wirkte geheimnisvoll! Das hier war nichts von der Welt, in der ich lebte. Das hier war etwas Magisches. Wie in Trance erklomm ich mit meinen Liebsten meinen Lieblingsberg. Den Blick zu den Sternen gerichtet und staunend. Alles war still und traumhaft schön! Ab und zu wechselten wir Worte, ansonsten blieben wir stumm.

Als meine Familie und ich auf dem Gipfel der Regina Montium ankamen, war es fast so weit. Ich sog die frische Morgenluft ein und setzte mich ins von der Nacht feuchte Gras. Meine Zähne teilten ein belegtes Brot entzwei und immer mehr Leute kamen auf die Wiese. Eine orange Kugel am Horizont! Sie war nur zur Hälfte zu sehen, doch dieser Anblick war unglaublich! Es war, als würde ein Traum wahr werden! Dieses rote Licht, die Stille. Alles war im Bann der aufgehenden Sonne. Mein Mund klappte auf. Es war fantastisch zuzusehen, wie die Sonne ihren Kuss mit dem Horizont langsam löste, alles in rotes Licht tauchte und sich mit diesem Anblick einen Platz in meinem Herzen sicherte, ehe sie sich auf den Weg über den Himmel machte, um am Abend auf der anderen Seite sich wieder mit dem Horizont zu verschmelzen. Die Nacht war vorbei und der Tag brach an. Die Sterne und die Stille der Nacht waren weg. Der Anblick der aufgehenden Sonne von der Regina Montium aus zu sehen, war so überwältigend, dass ich mich hinsetzen musste. Ich lauschte den Kuhglocken und dem Alphorn. Ich hätte bis Sonnenuntergang hier liegen bleiben können, doch die Pflicht rief. Nun tat ich etwas, was unerklärbar war. Ich stand auf und löste den Blick von der Sonne, die inzwischen ihre hohe Position eingenommen hatte. Könnte ich, wäre ich am Abend wieder hier und würde die ganze Nacht wach sein, um das Schönste der Welt zu erwarten: Den Sonnenaufgang, denn der ist der Schlüssel zum Glück