4. Fontane-Preis für junge Schreibende 2019

Wettbewerb

ausgelobt von der Theodor-Fontane-Gesellschaft e.V., in Kooperation mit der Fontane-Festspiele gUG und unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg

 

2. Preis, Klasse 3 bis 6

 

Hannah Krügel, 9 Jahre, Neuruppin

Karl-Liebknecht-Schule Neuruppin, 3. Klasse

 

Der perfekte Tag

„Magst du nicht mal rausgehen, es ist so schönes Wetter!” Es ist gerade mal 11:30 Uhr, ich liege im Bett, im super kuscheligen Bett meiner Oma. Es sind meine ersten Sommerferien und ich verbringe einige Tage bei meiner Oma. Ich nenne sie immer Oma Tommy. Meine Eltern hatten einen Kater namens Tommy, aber als Mama mit mir schwanger war, war Oma so lieb den Kater Tommy zu adoptieren. So kam sie zu ihrem Namen. „Oma, es sind Ferien! Da darf man doch wohl mal ausschlafen.” Oma gibt nach, und verlässt wieder das Schlafzimmer.

Aber schlafen kann ich nicht mehr, die Sonne kitzelt mir in der Nase. Ich gehe nach oben in die Küche. Oma kocht gerade Nudeln. Ich liebe Nudeln. Das Beste ist, bei meiner Oma darf ich die Nudeln mit Zucker essen. Mama sagt immer, zu viel Zucker ist ungesund, aber Oma nimmt es Gott sei Dank nicht so ernst. Nach dem Essen darf ich in den Garten. Oma Tommy wohnt in Fehrbellin. Fehrbellin ist für mich neben Neuruppin meine zweite Heimat. Ich liebe Omas Garten. Oma hat einen grünen Daumen, sagt Papa immer. Was das mit ihrem Garten zu tun hat, weiß ich allerdings nicht. Bei Oma ist irgendwie immer alles grüner und bunter und sogar ihre Erdbeeren sind viel größer als andere. Ich pflücke ein Paar von ihnen, daraus machen wir heute Nachmittag frischen Joghurt, hat Oma mir versprochen. Endlich kommt Oma auch in den Garten. Sie musste erst noch ihren Haushalt in Ordnung bringen. Ich weiß gar nicht was sie dann macht, denn es ist immer super ordentlich bei ihr. Oma trägt einen kleinen Weidenkorb bei sich und meinen Fahrradhelm. Ich weiß sofort was sie vor hat, wir fahren zu unserem geheimen Ort! Allein der Weg dorthin hat etwas Magisches. Wir fahren an einem Feld vorbei, entlang eines Flusses, „der Rhinkanal” sagt Oma. Hier auf dem Weg, ist das Gras so hoch, dass es mir beim Fahren an den Knöcheln kitzelt. Der Himmel strahlt in seinem schönsten Blau und die Sonne steht ganz hoch am Himmel. Es ist ein perfekter Tag.

Hinter mir höre ich Oma rufen. „Hannah, trete in die Pedalen. Wenn du noch langsamer fährst kippst du mit deinem Fahrrad um.” Ich nehme es ihr nicht übel, woher soll sie auch wissen, dass ich absichtlich so langsam fahre, um jeden Moment zu genießen. Als wir ankommen, breitet Oma eine Decke aus, in ihrem Korb hat sie Milchhörnchen und Quetschies für uns eingepackt. Das schönste an diesem Ort ist, dass wir hier immer ganz alleine sind. Niemand stört uns und ich habe meine Oma hier ganz für mich allein. Über den Rhin führt eine kleine Brücke aus Holz und während Oma unser Picknick vorbereitet, schleiche ich mich rüber. Auf der anderen Seite ist ein kleines Waldstück. „Dort gibt es viele Wildschweine”, meint Oma. „Wenn es dunkel wird, kommen sie raus und manchmal auch am Tage.” Ich habe hier noch nie Wildschweine gesehen und so lange Oma bei mir ist, habe ich auch keine Angst. Sie würde es mit einem Bären aufnehmen, um mich zu beschützen. Ich beobachte die kleinen Frösche, Schmetterlinge und Schnecken, die sich hier genauso wohl fühlen wie wir. Auf einer Bank sitzend, stärken wir uns mit den leckeren Sachen aus dem Korb. Ich gucke meiner Oma tief in die Augen und wünsche mir, dass dieser Moment nie vergeht. Hier fühle ich mich geborgen, hier scheint die Zeit still zu stehen. „Oma, wenn ich auch mal eine Oma bin, komme ich mit meinen Enkeln auch her und erzähle ihnen, wie gerne ich mit dir hier die Sommertage verbracht habe.” Oma nimmt mich in den Arm und drückt mich ganz fest an sich. Unser perfekter Tag.