Altersklasse 10. – 13. Klasse

Was uns die Fremde lehrt – Erinnerungen aus der Heimat

Lest zunächst den folgenden Auszug aus dem Vorwort zur ersten Auflage der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, mit dem Theodor Fontane 1861 den ersten Band „Die Grafschaft Ruppin“ begann:

»Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen.« Das hab ich an mir selber erfahren, und die ersten Anregungen zu diesen »Wanderungen durch die Mark« sind mir auf Streifereien in der Fremde gekommen. Die Anregungen wurden Wunsch, der Wunsch wurde Entschluß.

Es war in der schottischen Grafschaft Kinross, deren schönster Punkt der Leven-See ist. Mitten im See liegt eine Insel, und mitten auf der Insel, hinter Eschen und Schwarztannen halb versteckt, erhebt sich ein altes Douglas-Schloß, das in Lied und Sage vielgenannte Lochleven Castle. Es sind nur Trümmer noch, die Kapelle liegt als ein Steinhaufen auf dem Schloßhof, und statt der alten Einfassungsmauer zieht sich Weidengestrüpp um die Insel her; aber der Rundturm steht noch, in dem Queen Mary gefangensaß, die Pforte ist noch sichtbar, durch die Willy Douglas die Königin in das rettende Boot führte, und das Fenster wird noch gezeigt, über dessen Brüstung hinweg die alte Lady Douglas sich beugte, um mit weit vorgehaltener Fackel dem nachsetzenden Boote den Weg und womöglich die Spur der Flüchtigen zu zeigen.

Wir kamen von der Stadt Kinross, die am Ufer des Leven-Sees liegt, und ruderten der Insel zu. Unser Boot legte an derselben Stelle an, an der das Boot der Königin in jener Nacht gelegen hatte, wir schritten über den Hof hin, langsam, als suchten wir noch die Fußspuren in dem hochaufgeschossenen Grase, und lehnten uns dann über die Brüstung, an welcher die alte Lady Douglas gestanden und die Jagd der beiden Boote, des flüchtigen und des nachsetzenden, verfolgt hatte. Dann umfuhren wir die Insel und lenkten unser Boot nach Kinross zurück, aber das Auge mochte sich nicht trennen von der Insel, auf deren Trümmergrau die Nachmittagssonne und eine wehmütig-unnennbare Stille lag.

Nun griffen die Ruder rasch ein, die Insel wurd ein Streifen, endlich schwand sie ganz, und nur als ein Gebilde der Einbildungskraft stand eine Zeitlang noch der Rundturm vor uns auf dem Wasser, bis plötzlich unsre Phantasie weiter in ihre Erinnerungen zurückgriff und ältere Bilder vor die Bilder dieser Stunde schob. Es waren Erinnerungen aus der Heimat, ein unvergessener Tag.

Eure Aufgabe:

Schaut noch einmal auf den ersten Satz: »Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen.« Ist es euch auch schon einmal so ergangen, dass ihr euch auf einer Reise an Begebenheiten, Situationen oder Erlebnisse aus der Heimat erinnert habt? Habt ihr Parallelen entdeckt zu Menschen, Landschaften oder Städten, die ihr kennt? Schreibt eine Geschichte dazu: Erinnerungen aus der Heimat. Wahr oder unwahr, das ist egal.

Wissenswertes:

Das erste Mal besuchte Theodor Fontane England im Jahr 1844 während eines 14-tägigen Urlaubs von seiner Militärausbildung. Im Sommer 1852 reiste er zum zweiten Mal nach London, diesmal als Journalist. Er blieb fast ein halbes Jahr und schrieb 35 kurze Reiseberichte, die 1854 in seinem Buch „Ein Sommer in London“ erschienen. Von 1855 bis 1859 lebte und arbeitete Fontane als Auslandskorrespondent für die Zentralstelle für Presseangelegenheiten in London. Sein dortiger Aufenthalt sollte die britische Presse im Sinne Preußens beeinflussen. Fontanes ursprüngliche Begeisterung für England ließ jedoch während dieser Zeit nach. 1858 reiste er für mehrere Wochen nach Schottland für sein Buch „Jenseits des Tweed“. Nachdem er 1859 England verlassen hatte, kehrte er nie wieder in das Vereinigte Königreich zurück. Im selben Jahr begann Fontane die Wanderungen durch die Mark Brandenburg zu verfassen, ebenfalls Reisebeschreibungen mit historischem Schwerpunkt.

Und so könnt ihr euren Text bei uns einreichen:

  • in schriftlicher Form
  • 2 A4-Seiten (Times New Roman, Schriftgröße 12, Zeilenabstand 1,5)
  • per mail an: buero@fontane-festspiele.com
  • oder per Post an: Fontane Festspiele gUG, Präsidentenstraße 47, 16816 Neuruppin
  • mit euren vollständigen Kontaktdaten: Name, Vorname, Anschrift, Telefon, mail
  • mit Angaben zu eurem Alter und der Schule: Alter, Geburtsdatum, Schule, Klasse
  • Jeder Teilnehmer/jede Teilnehmerin schreibt und unterzeichnet folgende Erklärung:

„Hiermit erkläre ich, dass der Beitrag eigenständig und mit lauteren Mitteln entstanden ist. Mit einer Veröffentlichung meines Beitrages bin ich einverstanden.“

Die Zeitabläufe:

  • Abgabe der Briefe ab sofort bis spätestens Sonntag, 28. April 2019
  • Es werden drei Preisträger von einer Jury ausgewählt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Preisverleihung am Donnerstag, 6. Juni 2019 in Neuruppin

 

Und das gibt es zu gewinnen:

  • Einladung aller Teilnehmer zur Preisverleihung mit Bekanntgabe der Gewinner
  • Den drei Preisträgern winken Büchergutscheine und wertvolle Präsente rund ums Schreiben und Lesen.
  • Alle Teilnehmer erhalten eine Freikarte für eine Veranstaltung ihrer Wahl für die Fontane Festspiele Neuruppin

Kontakt: Fontane-Festspiele gUG, Präsidentenstraße 47, 16816 Neuruppin,

Tel. 03391 / 65 98 198, info@fontane-festspiele.com, www.fontane-festspiele.com