Thilo Krause (CH)
Elbwärts

© Peter-Andreas Hassiepen

Thilo Krause (*1977 in Dresden) lebt und arbeitet in Zürich. Seit 2005 veröffentlicht er literarische Texte in Zeitschriften und Anthologien. 2012 wurde Thilo Krause mit dem Schweizer Literaturpreis und 2016 mit dem Clemens-Brentano-Preis sowie dem Schillerpreis ausgezeichnet. 2018 erschien sein Gedichtband Was wir reden, wenn es gewittert, für den er den Peter Huchel-Preis erhielt, 2020 sein Roman Elbwärts, der mit dem Robert Walser Preis ausgezeichnet wurde.

         

Elbwärts (erschienen am 17.08.2020 im Hanser Verlag)

Ein junges Paar kehrt nach Jahren im Ausland zurück ins Felsland der Sächsischen Schweiz. Der Wunsch, sich an den Kindheitsorten ein neues Leben aufzubauen, mündet in die Konfrontation mit der Herkunft, aber auch mit einer neuen Fremdheit.

Textausschnitt

“Dann manövrierte ich das Moped aus der Tür und schloss ab. Ich schob bis zum Dorfausgang. Niemand schien etwas an mir zu finden. Und wenn doch, dann hätte ich eine Geschichte parat gehabt, in der Jiri vorkam. Ich schob auch noch die letzte Steigung zum Ortsausgangsschild hoch. Dann setzte ich mich aufs schwarze Kunstleder und rauschte ins Offene. Über mir, um mich fuhr die Landschaft. Mir schienen die Bäume höher, die Felsen schroffer. Die Welt war größer geworden und gleichzeitig war ich ihr auch näher gekommen. Sie schien sich vor mir zu teilen und hinter mir wieder zu schließen, wie Wasser sich schließt um einen herum. Anfangs war ich noch ängstlich, dass mich jemand erkennen würde. Aber Jiri hatte mir auch einen >Helm gebracht, mit Kratzern übersät und Abziehbildern. Bei jedem Auto, das mir entgegenkam, erwartete ich, dass es wenden und mich wieder einholen würde. Am schlimmsten war es, wenn ich überholt wurde, dann schaute ich rechts in die Landschaft, bis ich mich erinnerte, dass der Helm mein Gesicht verbarg.”

Sa. 21.08. | 18:00 Uhr | Galerie am Bollwerk

Autorenlesung “Elbwärts”

Moderation: Bernhard Robben

> TIPP: Video zu “Elbwärts” von Peter Böthig <