Judith Zander
Johnny Ohneland

© Bogenberger Autorenfotos

Judith Zander (*1980 in Anklam) lebt heute in Jüterbog. Für ihre Werke wurde sie vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem 3sat-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs und mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis. Ihr erster Roman Dinge, die wir heute sagten stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Für ihren Roman Johnny Ohneland erhält sie 2021 den Fontane-Literaturpreis der Stadt Neuruppin und des Landes Brandenburg.

         

Johnny Ohneland (erschienen am 21. August 2020 im dtv Verlag)

Joana Wolkenzin weiß früh, dass sie anders ist. Sie liest stundenlang und lernt Songtexte auswendig; später verliebt sie sich in Jungs und in Mädchen. Im vorpommerschen Niemandsland der Neunziger gibt sie sich einen neuen Namen: Johnny. Aber bringt ein neuer Name auch neues Glück?

Textausschnitt

“So wie du nicht lebtest, so gabst du auch kein Geld aus, nicht an deinem Geburtstag und auch sonst nicht, was nicht stimmen kann. Du zogst dir eins von den karierten Hemden aus der Herrenabteilung an, die mit der Zeit etwas verblichen, aber nie kaputtzugehen schienen, schobst dein klappriges Fahrrad vom Hof und fuhrst die Landstraße nach Südwesten raus. Den Berg hoch, durch die Ermüdungsstrecke der düsteren Allee, an deren Rändern die Wurzeln den antiken Asphalt aufwarfen, dann vorbei am ersten Dorf und endlich die weiten Sichten über die >Felder rechts und links, längst abgemäht oder noch mit niederen Nutzpflanzen bestanden, Runkelrüben, Zuckerrüben, zu ihnen hatte deine Mutter, jünger als du, sich niederknien müssen, sie zu verziehen, auf allen vieren im Kriechgang immer die Reihe entlang bis zum Horizont. Das kennt ihr ja heute gar nich mehr.”

Sa. 21.08. | 15:00 Uhr | Altes Gymnasium

Autorenlesung “Johnny Ohneland”

Moderation: Shelly Kupferberg