Annett Gröschner

© Henning Schossig

Annett Gröschner, 1964 in Magdeburg geboren, Studium der Germanistik in Ostberlin und Paris. 1992–1996 Historikerin für das Prenzlauer Berg Museum, seit 1994 Beteiligung an verschiedenen Ausstellungs- und Buchprojekten, seit 1997 freie Schriftstellerin und Journalistin. Sie wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, zuletzt mit dem Kunstpreis Berlin 2017.

          

Berliner Bürger*stuben. Palimpseste und Geschichten (Erschienen im März 2020 im Edition Nautilus Verlag)

»Berlin in zwei Sätzen: ›I see you‹ – ›Wir euch ooch.‹«

Annett Gröschner ist eine Spaziergängerin im Sinne Theodor Fontanes – wandern muss nicht heißen, zu Fuß zu gehen. Es kann auch eine Straßenbahn sein, das Fahrrad, Schwimmen, eine Reise im Kopf oder Wochen im Archiv.
Aber immer kreist alles um Berlin, ihre Wahlheimat, ob sie nun über die Gingkobäume in der Humboldt-Universität, die Villa eines Kapitäns in der Fasanenstraße, Kleingärten, Friedhöfe, verlassene Industriegebiete, das Stadion an der Alten Försterei oder die Regionalexpresslinie 4 schreibt. Wenn sie die Palimpseste der Volksbühne entschlüsselt, mit Frau Globisch fliegt, Annemirl Bauer beim Madonnenmalen zuschaut und Gitti Eicke betrauert, einem Gasableser lauscht, eine syrisch-kurdische Dichterin bei ihrer Ankunft in der Stadt begleitet und Paradigmenwechsel bedauert.

Elf Jahre nach Parzelle Paradies sind die Geschichten, ist die Geschichte weitergegangen, und Annett Gröschner hat Grund zum Zweifel. Der Verlust ihrer Wohnung durch Eigenbedarfskündigung hat sie in eine Krise gestürzt und zugleich ihren Blick geschärft. Wie kann es gelingen, Berlin als eine Arche zu erhalten, in der alle Platz haben, egal, woher sie kommen?

»Annett Gröschner war und ist vor allem bekannt für ihre Poetik des Faktischen, für ihre Realitätserkundungen (…). Diese Bücher haben neben dem Zauber des Details auch etwas Widersetzliches. Sie widersprechen der Tendenz, die Realität auf Hochglanz zu bürsten, und schürfen dagegen mit archäologischem Blick in den Erfahrungswelten des Alltags.« 

Peter Böthig, Laudatio anlässlich der Verleihung des Lotto-Brandenburg-Kunstpreises

 

Infos zum Buch “Mit der Linie 4 um die Welt” (DVA, 2020) finden Sie hier.

 

Sa. 26.09. | 15:00 Uhr | Beckers Scheune Wuthenow

“Berliner Bürger*stuben. Palimpseste und Geschichten” und “Mit der Linie 4 um die Welt”