Alexander Osang
Fast hell

© Felix Rettberg

Alexander Osang (*1962 in Ost-Berlin) arbeitete als Chefreporter der Berliner Zeitung und erhielt mehrfach den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Theodor-Wolff-Preis. Er lebte acht Jahre lang in New York, heute schreibt für den Spiegel aus Tel Aviv. Sein erster Roman die nachrichten wurde verfilmt und mit u.a. dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Er schrieb Romane und Reportagen und Glossen, Fast hell ist sein sechster Roman.

Fast hell (erschienen am 18. Januar 2021 im Aufbau Verlag)

Die weißen Nächte über der Ostsee sind fast hell, verheißungsvoll und trügerisch, so wie die Nachwendejahre, die den Erzähler und Uwe geprägt haben. Doch während Uwe der Unbestimmte, Flirrende bleibt, beginnt für Alexander Osang eine Reise zu sich selbst, getrieben von der Frage, wie er zu dem wurde, der er ist. Eindringlich erzählt er von den Zeiten des Umbruchs und davon, wie sich das Leben in der Erinnerung zu einer Erzählung verdichtet, bei der die Wahrheit vielleicht die geringste Rolle spielt.

Textausschnitt

“Uwe saß mit dem Strandgut Ostberlins im Kollegium der Friedländer-Schule und segelte in den Sonnenuntergang. Er bekämpfte seine Unruhe mit Reisen um die Welt. Paris, New York, Lappland, Moskau, Tokio. Überall Freunde, bei denen er auf der Couch übernachtete und Liebhaber, die, anders als er, jünger wurden.

Uwe bestellte eine Karaffe Wodka mit Meerrettichgeschmack, der ihn an seine Russlandzeit in den Neunzigern erinnert und seltsam schmeckt, wie eine kalte Schnapssuppe. Auf einem Ägyptenausflug mit seiner israelischen Freundin Josephine zog sich Uwe Hepatitis B zu. Ein Salat auf dem Sinaii, sagt er. Ich sage, dass ich mir im Irak mal den Magen an einem Salat verdorben habe, aber das ist schon die ganze Geschichte. Ein verdorbener Magen im Südirak, den ich in einem Hotel in Kuwait-City auskurierte. Punkte auf meiner Weltkarte.”

Mi. 25.08. | 18:30 Uhr | KTL Rheinsberg

Autorenlesung “Fast hell”

Moderation: Christhard Läpple

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