Fontane keimfrei

Aktion Küchentisch

Zusammen kreativ sein

Zuhause zu sein kann richtig schön sein. Denn es ist die beste Zeit, gemeinsam etwas auszuhecken. Jede Woche fordern wir euch daher zu einer Aktion heraus, die ihr mit eurer Familie oder online mit euren Freunden umsetzen könnt.

Lasst euch überraschen!

Fontane keimfrei Folge 6 (Mi. 08.04.2020): Illustriert ein Fontane-Gedicht!

Unsere erste Aktion lautet: Illustriert ein Fontane-Gedicht! Nehmt euch also ein Gedicht vor, verteilt die Strophen oder Abschnitte unter euren Familienmitgliedern oder Freunden, und jeder von euch illustriert ein Stück vom Gedicht. So entsteht eine richtige Bildergeschichte. Und wenn ihr die Bilder noch einscannt oder abfotografiert und uns zuschickt, präsentieren wir sie beim nächsten Mal online und auf unserer Website. Mailt uns eure Kunstwerke an info@fontane-festspiele.com. Wir wünschen euch viel Spaß dabei!

PS: Besonders gut eignen sich z.B. die Ribbeck-Ballade oder „Im Garten“ oder „Zum Namenstag meiner Enkelin“ von Theodor Fontane. Die könnt ihr hier nochmal nachlesen:

Im Garten

Die hohen Himbeerwände
Trennten dich und mich,
Doch im Laubwerk unsre Hände
Fanden von selber sich.

Die Hecke konnt’ es nicht wehren,
Wie hoch sie immer stund:
Ich reichte dir die Beeren,
Und du reichtest mir deinen Mund.

Ach, schrittest du durch den Garten
Noch einmal im raschen Gang,
Wie gerne wollt’ ich warten,
Warten stundenlang.

Zum Namenstag meiner Enkelin
(Nach dem Französischen:
Le boulanger fait un gâteau)

Der Bäcker bringt dir Kuchenbrot,
Der Schneider einen Mantel rot,
Der Kaufmann schickt dir, weiß und nett,
Ein Puppenkleid, ein Puppenbett
Und schickt auch eine Schachtel rund
Mit Schäfer und mit Schäferhund,
Mit Hürd’ und Bäumchen, paarweis je,
Und mit sechs Schafen, weiß wie Schnee,
Und eine Lerche, tirili,
Seit Sonnenaufgang hör’ ich sie,
Die singt und schmettert, was sie mag,
Zu meines Lieblings Namenstag.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll.
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: “Junge, wiste ‘ne Beer?”
Und kam ein Mädel, so rief er: “Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ‘ne Birn”.

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: “Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.”
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen “Jesus meine Zuversicht”.
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
“He is dod nu. Wer giwt uns nu ‘ne Beer?”

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was er damals tat,
Als um eine Birn’ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung’ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: “Wiste ‘ne Beer?”
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: “Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew’ di ‘ne Birn.”

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.