Siegfried Matthus
[Musik]

Siegfried Matthus gehört zu den Künstlern, die mit einer so reichen Erfindungsgabe gesegnet sind, dass jedes einzelne Werk immer nur eine Facette der Möglichkeiten bieten kann. Da gibt es nicht bloß den Komponisten großer Opern und vokaler Miniaturen, expressiver Sinfonik oder virtuoser Konzerte; da begegnet uns keineswegs immer der passionierte Affekt, die dramatische Rhetorik, die lyrische Kontemplation oder die zarte Geste; da bilden die ernsten Gegenstände des Lebens, wie Frieden und Krieg, Zwang und Freiheit, Liebe und Tod, nicht das Einzige, was ihn kompositorisch bewegt. Denn gelegentlich zeigt sich auch ein ganz anderer Matthus, der alles Belastend-Gewichtige von sich streift, den die Lust aufs musikantisch Lichte überkommt – wohl einfach deswegen, weil ihm Fröhlichkeit, Humor und Charme eingeboren sind und die Einfälle, sie auszudrücken, ihm mühelos zu Gebote stehen.

Schon seit den 70er Jahren erwarb er sich internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung. Diesen Ruf verdankt er vor allem seiner unverwechselbaren und anhaltend kreativen Musikalität, deren Entfaltung sich stets zuerst nach den individuellen Ausdrucksbedürfnissen richtet und nicht danach fragt, was offiziellen Kunstdoktrinen als wünschenswert erscheint.