Festspiele

Eröffnung 2016

Do 12. Mai | 19 Uhr | Kulturkirche

Eintritt frei
Die 4. Fontane-Festspiele wurden in der Kulturkirche Neuruppin mit der feierlichen Vergabe der Fontane-Preise eröffnet.

Den Fontane-Literaturpreis verlieh die Stadt Neuruppin dem Schriftsteller und Schauspieler Josef Bierbichler für sein 2011 erschienenes Werk Mittelreich. Darin folgt der Autor der Erzähltradition Fontanes, in dem er Geschichte und Geschichten von Land und Leuten beschreibt. Außerdem hob die Findungskommission die differenzierten und zuweilen skurrilen Figurenzeichnungen hervor, mit denen der Preisträger nicht nur die Hauptfiguren sondern auch die Knechte, Mägde, die Flüchtlinge und Zugereisten charakterisiert. Der Preis der Fontanestadt Neuruppin ist mit 5.000 Euro dotiert gewesen und wurde von Dr. Hans E. Weber finanziell unterstützt. Die Laudatio hielt Dr. Tilman Spengler. Mit den Fontane-Kulturpreisen ehrte die Stadt Kunst- und Kulturschaffende, die sich in besonderer Weise um die kulturelle
Vielfalt und Positionierung als Fontanestadt Neuruppin verdient gemacht haben. 2016 wurden Günter Rieger und der Neuruppiner A-cappella-Chor ausgezeichnet. Günter Rieger wurde für sein 25-jähriges Wirken als regionalbezogener Verleger der Edition Rieger und für sein persönliches Engagement vor Ort gewürdigt. Der seit 1971 bestehende A-capella-Chor erhielt den Fontane- Kulturpreis für seine kontinuierlich hohe künstlerische Qualität, die überregional für die Fontanestadt wirbt und für sein Wirken für die Chorlandschaft der Fontanestadt. Die Preisträger erhielten je 1.000 Euro. Den musikalischen Rahmen bot die Band Karl die Große mit der Neuruppiner Sängerin Wencke Wollny. Nach der Preisverleihung fand ein Sektempfang statt, der mit jazzig-souligem Schallplattensound von Dirk Mahler begleitet wurde.

Begründung der Jury zum
Fontane-Literaturpreis

Foto: Markus Tedeskino / Suhrkamp VerlagJosef Bierbichler „Mittelreich“

„Mittelreich“ von Josef Bierbichler

Ausgezeichnet wird damit ein Werk, das sich – im Sinne der Ausrichtung des Preises – „in Bezug auf die besondere Leistung Theodor Fontanes als Meister in der Beschreibung von Land und Leuten“ widmet. Der Roman Mittelreich schildert die Geschichte eines (bayrischen) an einem See gelegenen Gast- und Bauernhofes und seiner Besitzer, der Seewirtsfamilie, über drei Generationen hin, von der Zeit des Ersten Weltkriegs bis in die Jetztzeit. Der Roman zeichnet sich durch eine Sprach- und Bildkraft von großer Intensität aus. Traditionelle Erzählformen wie die der Chronik, des Familien- und Heimatromans werden aufgegriffen und zugleich erzählend gebrochen durch lyrische, parodierende, reflektierende oder expressiv schockierende Passagen. Besonders hervorzuheben sind die  differenzierten (zuweilen skurilen) Figurenzeichnungen, nicht nur der Hauptfiguren – des Seewirtes und seiner Familie–, sondern auch der Knechte, Mägde, der Flüchtlinge und Zugereisten und selbst des „Biergimpels“ aus der Gastwirtschaft. In diesem vielstimmigen, zuweilen dissonanten Chor kommen die Rätsel des Daseins, die individuellen Lebenslügen und -lüste, Begierden und Ängste zur Sprache, und darin die historischen Ver- und Zerstörungen der letzten 80 Jahre (der beiden Weltkriege, des NS, des Wirtschaftswunders). Die Sprache, die da gesprochen wird, misst die Metaphern in ihrer Doppel- und Vieldeutigkeit aus, bis hin zu ihrer Erstarrung unter der kreatürlichen Wucht des Gesagten. Der Autor erschließt damit erzählend eine – durch Heimat- und Volkskitsch sprachlos gemachte – dörflich-bäuerliche Welt als moderne Sprach- und Erfahrungswelt. Sein Roman Mittelreich steht – nach der Meinung der Jury – in einer Erzähltradition, die im Fontanischen Sinne „Geschichte und Geschichten“ von Land und Leuten aus Bayern erzählbar macht.

Mehr unter: www.suhrkamp.de/joseph-bierbichler

Begründung der Jury zu den
Fontane-Kulturpreisen

Günter Rieger, Inhaber Edition Rieger

Als die Edition Rieger 2015 ihr 25-jähriges Bestehen beging, konnte sie auf ein umfangreiches Ergebnis verlegrischer Tätigkeit zurückblicken: Etwa 200 Titel umfasst inzwischen Günter Riegers Buchsortiment.
Zu seinen Verdiensten zählt, dass die Bewohner vieler Dörfer und Städte unseres Kreises die eigene Geschichte in einer Chronik nachlesen können. Das gelang durch eine enge Zusammenarbeit mit Ortschronisten und Heimatforschern.
Eindrucksvolle eigene Fotos sind ein besonderer Schmuck der verlegten Bücher und Postkartenmotive.
Ohne das breite und vielseitige Buchangebot der Edition Rieger wäre unserer Ruppiner Literaturlandschaft erheblich ärmer.
Darüber hinaus ist er ein begehrter Stadt- und Reiseführer und gefragter Laudator bei Ausstellungen zur bildenden Kunst. Seine fundierten und zugleich unterhaltsamen Vorträge erfreuen sich bei jedem großer Beliebtheit.
Durch seine Veröffentlichungen, insbesondere aber auch durch sein persönliches Auftreten, hat Günter Rieger maßgeblich daran mitgewirkt, dass die Stadt Neuruppin ihr Profil als Kulturstadt weiter ausprägen konnte.

Mehr unter: www.edition-rieger.de


Neuruppiner A-cappella-Chor e.V.

Der Neuruppiner A-cappella-Chor steht seit 45 Jahren für hohe Qualität in der Chorlandschaft Neuruppins . Unzählige Male hat der Chor sein Können bei Bundes-und Landeswettbewerben, Festspielen und Konzertreisen unter Beweis gestellt und die Stadt Neuruppin würdevoll vertreten. Der Chor pflegt Partnerschaften zu anderen Chören, hier ist besonders die langjährige Chorfreundschaft mit dem Städtische Musikverein Coesfeldt zu nennen, die ein vorbildliches Beispiel für den kulturellen Austausch nach der politischen Wende darstellt.
Kulturelle Höhepunkte wie die Adventschorgala oder das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach sind vom A-cappella-Chor ins Leben gerufen worden und sind seit Jahren für viele Neuruppiner unverzichtbarer Bestandteil der Neuruppiner Kulturangebote. Die hohen Besucherzahlen zu diesen Veranstaltungen drücken die hohe Wertschätzung der Neuruppiner für den A-cappella-Chor aus.

Mehr unter: www.a-cappella-chor-neuruppin.de